Mein Traum von bewusstem Leben mit der Natur: Ein bio-technologischer Kreis, der ökologische Jeans und Gemälde und somit Kunst und Mode kreiert

Hans-Jörg Hamann ist Zeit seines Lebens ein kreativer Kopf. Schon früh begann er zu malen. Als 14 - jähriger Flüchtling verdiente er bei seiner Mutter lebend Geld dazu, indem er ohne Vorlagen das malte, was die vom Krieg traumatisierten Menschen als bloße Erinnerungen bei sich trugen – Erinnerungen an friedliche Zeiten, an Heimat (Wohnstätte, Landschaft) oder Familie. Hamann setzt seit mehr als 50 Jahren Schaffenszeit - zunächst unbewusst, schnell jedoch gezielt - in all seinen Arbeiten auf die Unschärfe als künstlerisches Mittel. Sei es früher als Creative Director und Produkt-Manager eines japanischen Großkonzerns oder heute, als Entwickler einer 100 - prozentig ökologischen Alternative zur herkömmlichen, umweltschädigenden Jeans-Veredlung: Unschärfe zeigt Hamann übrigens häufig auf seinen Gemälden und seinen Jeans. Bei letzteren zum Beispiel, indem er beim Design Nähte übergangslos zum Teil hervorhebt, oder mit natürlicher Veredlung (zum Beispiel Waschung oder Färbung) in den optischen Hintergrund rückt.

 

Die Gemälde, die Hamann in Unschärfe malt, rakelt oder in sonstiger vielfältiger Weise beaufschlägt, sollen den Gefühlen des Betrachters und den Farben des Lichtes mehr Raum geben und Gegenständliches der Entdeckung überlassen. In dieser Betrachtungsweise versucht Hamann häufig auch seine ökologischen Bedenken zu umweltschädlichen produktionellen Abwassereinleitungen über die Gemälde mit ins Spiel zu bringen. „Meine Gemälde sollen anstoßen, aber nicht Ekel erzeugen. Mit Abstraktionen finde ich immer einen reizvollen Weg“, sagt Hans-Jörg Hamann.

 

In Abstraktion und räumlicher Dimension kennt der Künstler Hamann keine Grenzen: Über den Rand malend, ob rund, ausgepolstert oder eckig und sogar mitten in die Bildflächen hinein, wird zum Teil die Leinwand bis zu zehn Zentimeter von einem zweiten, dahinter gespannten Rahmen auch sicht- und fühlbar in die Tiefe gezogen. Auch damit überschreitet Hamann die bisherigen maltechnischen Grenzen deutlich. Wolken und Wasser werden gewöhnlich blau vorgemalt und mit Weiß sowie mit weiß abgetönten Farben übermalt. Weiß, die Hauptfarbe in der Malerei, gibt es bei Hamann nicht und ein Übermalen geht auch nicht. Außerdem haben die biologischen Malsubstanzen eine schnelle Anfangsreaktionszeit, die ein Nacheinander meist nicht zulässt. Hamann kann rechts und links malen und das kann er sogar gleichzeitig. Mit dieser Technik überlistet er die scheinbaren Hindernisse und macht wunderschöne Wolkenbilder. Hamann, der aus dem Hannoveranischen stammt, lebt seit Jahren projektgebunden in Vietnam, wo er die ökologische Totallösung für Jeans, die zu 100 Prozent abwasserfrei hergestellt werden - was er übrigens schon 1993 amtlich nachweisen und in Europa und den USA patentieren konnte – produktionsreif entwickelte. Dem Zufall hat er die Entdeckung zu verdanken, dass sich die bei der ökologischen Jeans-Veredelung abfallenden Feststoffe als einzigartige Malsubstanzen auch für Kunstwerke und Innenräume eignen, indem er dafür noch weitere biologische Hilfsmittel entwickelt hatte. Für Hamann ist die Entdeckung mehr als ein glücklicher Zufall: Ein Glücksfall, denn der Mann, der sein Leben bewusst im Einklang mit der Natur gestaltet, kann so einen innovativen, ökologisch gekoppelten Wirtschaftskreislauf erzeugen, der es ihm erlaubt, Kunst und Mode gleichsam zu kreieren – und das im Einklang mit der Natur.